Bildstöcke - Heimatverein Raesfeld

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Bildstöcke

Bildkreuz Hagenwiese
Bildstöcke, Wege- und Hofkreuze

Die Texte zu den Raesfelder Hof- und Wegekreuzen und Bildstöcken hat Christiane Danblon, 2. Vorsitzende des Heimatvereins, zusammengestellt. Auch der langjährige Vorsitzende (1969 - 1993) und heutige Ehrenvorsitzende Adalbert Friedrich sowie unser verstorbenes Ehrenmitglied Johann Böckenhoff-Budde sowie Hermann Tünte haben Texte beigesteuert.
         
Die Auflistung der Wegekreuze und Bildstöcke ist nicht vollständig. Aufgeführt sind alle, die der Öffentlichkeit zugänglich sind. Die Standorte sind im Geodatenatlas beim Kreis Borken verzeichnet. Eine Gesamtübersicht finden Sie hier.

Für die Erstellung der Fotos © danken wir Reinhard G. Nießing (RGN).

1. Heiliger Michael
Standort: vor dem TSV- Sportplatz am Langenkamp (Geodatenatlas)

Schon 1820 stand ein Denkmal des Heiligen Michael auf dem alten Schultenhof. Ein Engel mit einer Lanze und dem Drachen unter den Füßen. Im Sockel war ein frommes Gebet im Sandstein eingemeißelt:
„O du glorreicher Fürst Michael erinnere dich doch unserer in deinem Gebet am Throne des Allerheiligsten damit wir die Nachstellungen des höllischen Feindes glücklich überwinden und uns einst mit Dir der ewigen Anschauung Gottes erfreuen mögen. Amen.“

Dieser Bildstock wurde um 1901 vom Hof an den Anfang einer Weidefläche auf einen kleinen Erdhügel im Schulten Matt versetzt und mit Eichen umpflanzt. Auf denselben Platz, an dem die alte Station auf dem Hof stand, wurde um dieselbe Zeit eine neue Michaelsstation errichtet und zwar als Elisabeth Alfers-Edler aus Gescher dort Bäuerin wurde. Diese Station wurde mit wilden Kastanien umpflanzt und der Sockel trug die Inschrift: „Heiliger Michael, bitte für uns.“ Im letzten Krieg wurde diese Station beschädigt, als englische Flugzeuge das Hitlerjugendheim bombardierten. Um 1950 wurde auch diese Station renoviert. Der Aufbau wurde etwas verändert, der Sockel neu verputzt und die neue Inschrift lautete: „Michael, wer ist wie Gott.“

1962 wurde dann diese Station, die am Eingang des Sportplatzes am Hof stand, wegen Veränderung der Wege aufgegeben und später abgebrochen. Im selben Jahr schuf der Metallbildner Kunkler aus Raesfeld eine neue Station. Sie wurde im Sommer 1962 auf dem Hofplatz im Beisein der Hausbewohner und Nachbarn als Fronleichnamsstation eingesegnet. Der Baukörper besteht aus Sichtbeton, hat eine Höhe von 3,5 m, ist 1,2 m breit und trägt im Bronzeguss das Bild des Heiligen Michaels mit den Attributen der Erdkugel und der Schlange.

Ein letztes Mal wurde derselbe Bildstock im Jahre 2008 auf die gegenüberliegende Straßenseite (vor dem TSV-Sportplatz) versetzt. Die dortige Nachbarschaft "Langenkamp" kümmert sich um den Fahnen- und Blumenschmuck bei den Fronleichnamsprozessionen.
(nach Aufzeichnungen von Johann Böckenhoff-Budde)
Heiliger Michael am Langenkamp
Heiliger Michael am Langenkamp 2
St. Peter und Paul im Suershook
2. St. Peter und Paul
Standort: Suershook  (Geodatenatlas)

Dieses Denkmal ist ein barockes Sandsteingebilde aus dem 19. Jahrhundert. Ein nach münsterländischem Typus dreiteiliger Aufbau in Sockel, Nische und Aufsatz. Petrus und Paulus werden von einem nach unten strahlendem Kranz umgeben. Auf dem rechteckigen Sockel ist ein Laubkranz abgebildet. Darin die Inschrift: "Lieblich und Schön waren Beyde in ihrem Leben, auch im Tode sind sie nicht voneinander getrennet. 2 Reg. 1.23"

Auszug aus einem Bericht in der Borkener Zeitung vom 22.07.2006 von Hermann Tünte:
In der Chronik des Hofes Nagel ist zum Bildstock in einer Urkunde vom 18. Juni 1802 vermerkt, dass der Zeller Walter Röhring, Witwer und Stiefvater auf dem Hofe, drei Geschwistern Nagel zu gleichen Teilen Bauland vermachte mit einer klaren Maßgabe und einem Auftrag. Die "Schenkung" war mit der Errichtung einer Station zu Ehren der Apostel Petrus und Paulus verbunden und der Auflage: "Der Bildstock soll zu ewigen Zeiten von dem Erbe Nagel in einem guten Zustand gehalten werden."
Die Station stand zunächst auf dem Hof Nagel an der Borkener Straße in der Nähe des Hofes Siebing. Durch die neue Straßenführung im vorigen Jahrhundert wurde sie 1969 vom Hof abgetrennt und stand bis 1987 am Hofgarten von Siebing-Büning. Nach gründlicher Renovierung wurde im Sommer 1988 in Gemeinschaftsarbeit der „Suershooker“ das Denkmal am Suershook-Weg auf das Grundstück von Nagel auf den Weg zwischen der Bundesstraße und Klein Ridder verlegt. Dort wurde sie am 29. Juni 1989 von Pfarrer Bernhard Tietmeyer geweiht. Die Hofbesitzer Johannes Nagel und seine Mutter Elisabeth Borchers, verw. Nagel, haben diesen Tag nicht mehr erlebt. Sie kamen am 06.08.1987 bei einem Autounfall ums Leben.


3. Sankt Sebastian
Standort: Auf dem Stenkamp (Geodatenatlas)
 
Erstellt wurde das Denkmal um 1725 als barocker Sandsteinbildstock im münsterländischen Typus mit dreiteiligem Aufbau: Rechtecksockel, Rechtecknische und geschweifter Aufsatz. Der Sockel ist glatt, das Relief leider stark verwittert, was den hohen Kunstwert beeinträchtigt. Die Inschrift war zuletzt nicht mehr lesbar. Der Bildhauer Ferdi Löchteken erneuerte den Bildstock im Jahre 1986 so gut es ging. Es ist die älteste Station in Raesfeld.

Aus den Aufzeichnungen von Johann Böckenhoff-Budde:

Der Bildstock des Heiligen Sebastian ist angeblich von der Familie Oswald um 1725 errichtet worden. Die Vorderseite des Bildstockes zeigt den von Pfeilen durchbohrten Heiligen. Ihm zur Seite stehen zwei Personen, ein Engel und der Pestheilige St. Rochus. Das Patronatsfest des hl. Sebastian ist der 20. Januar. Sebastian wurde besonders von den Schlossherren verehrt. Die Schlosskapelle ist dem heiligen Sebastian geweiht. Vielleicht hat man den Bildstock auch gebaut, um von der Pest verschont zu bleiben, oder als Dank dafür, dass die Pest in Raesfeld nicht so stark ausgebrochen war. Im 30jährigen Krieg, heißt es, sei der Vogt und seine beiden Söhne an der Pest in der Freiheit gestorben. Auch in Holtkamps und Hötings Haus sei die Pest eingefallen, so dass der junge Höting "absinnig" wurde und gehalten werden musste. 1643 heißt es in einer Urkunde: „Johann Lück, genannt Narrenberg, clevischer Lehnsträger aus Raesfeld, ist zusammen mit mehreren Kindern am Ende des 30jährigen Krieges an der Pest gestorben“.
St. Sebastian auf dem Stenkamp
St. Sebastian auf dem Stenkamp Detail
Der Weg St. Sebastian war früher auch der "Liekenweg" (Leichenweg) der Freiheiter Bürger. Sie brachten ihre Toten zu der Station, hoben den Sarg vom Fuhrwerk und sprachen einige Gebete, ehe der Leichenzug über die "Mensinghegge" weiter zum Friedhof an der Dorfkirche zog. Dieser Weg wurde im Zuge der Ortssanierung zur Entlastung des Ortskerns in den 1960er Jahren ausgebaut und mit einer festen Decke versehen. An dieser Straße wurde im Sommer 1964 die St.-Sebastian-Grundschule errichtet. 

Schutzengel auf dem Brink 1
Schutzengel auf dem Brink 2
4. Schutzengelstation
Standort: Auf dem Brink (Geodatenatlas)
              
Gleich nach dem 2. Weltkrieg erlaubte die alliierte Besatzungsmacht keine Fronleichnamsprozessionen über öffentliche Straßen. So beschloss Pfarrer Austermann mit dem damaligen Kirchenvorstand einen neuen Weg über den Brink. Für die ersten Jahre hatte man eine provisorische Segensstation gebaut und im Jahre 1952 ein kleines Andachtshäuschen oder auch Kapelle gebaut, wo man zum Schutzengel betete. Diese Station wurde jedoch nicht alt. Die Brinker ließen sie 1971 vom Bildhauer Ferdi Löchteken aus Bruchstein in veränderter Form ganz neu errichten.
                  
Sein gefertigtes Relief zeigt einen Schutzengel, der schützende Hände und Flügel über spielende Kinder und arbeitende Menschen hält. Links im Sockel steht die Inschrift: „Seinen Engeln hat er befohlen dich zu behüten.“ Dieser Spruch kommt aus der christlichen Liturgie: "Siehe ich sende meinen Engel, dass er vor dir herziehe und dich bewahre auf dem Weg."
Aus den Aufzeichnungen von Johann Böckenhoff-Budde

5. Madonna mit dem Kinde
Standort: Löchte (Geodatenatlas)

Das Bildwerk wurde aus gebranntem Ton erschaffen. Nach der kleinen Schutzengel-Kapelle auf dem Brink wurde kurz vor dem Fronleichnamsfest 1957 die Segensstation in der Löchte fertig. Den Plan für diese Muttergottes-Station erstellte der Bocholter Niessing, das Madonnen-Relief fertigte die Westerwälder Künstlerin  Anneliese Degen.

Hauptinitiator für den Bau der Muttergottesstation in der Löchte war Heinrich Lehmbrock, genannt Möllers. Für ihn war sie eine "Dankstation". Als lange Vermisster war er aus russischer Gefangenschaft heimgekehrt. 
Madonna mit dem Kinde in der Löchte
6. Bildstock Sankt Martin (Baudenkmal)
                  
Standort: Hof Roring, Roringshook 8 (Geodatenatlas)

Erbaut 1935; Höhe 3,5m; Gesamtbreite 5m;
Aufbau:    Bruchsteine und Klinker;               
Relief:       Muschelkalk;
Künstler:  Josef Meinert

Adalbert Friedrich erinnert sich:
Im September1935 wurde diese Segensstation eingeweiht. Anlass war das 25-jährige Gründungsfest der Raesfelder Kolpingfamilie. Es fiel in die Zeit des Dritten Reiches. In den zwei Jahren ihrer Regierungszeit hatten die Machthaber den konfessionellen Verbänden und Vereinen durch willkürliche Maßnahmen und Polizeiverordnungen ihre Freiheit beschnitten und ihre Arbeit gehemmt. Das Tragen der Tracht, jedes geschlossene Auftreten in der Öffentlichkeit durch Wort und Schrift sowie Zeigen ihrer Fahnen und Banner waren verboten. Somit blieb auch der Raesfelder Kolpingsfamilie im Sommer 1935 nichts anderes übrig, als das silberne Vereinsjubiläum in aller Stille als geschlossene Gesellschaft in Grundmanns Saal zu feiern. Der Höhepunkt des Tages, es war der 15. September, sollte jedoch die kirchliche Weihe der neuen Fronleichnams-Station sein.
                  
In wochenlanger Arbeit hatten Meister, Gesellen, Lehrlinge und Helfer sie vor dem Hof Roring errichtet. Die Kolpingfamilie hatte auch ihre Vereinskasse geleert und mit dem ersparten Geld einen Teil der erforderlichen Baumaterialien bezahlt. In den festen Steinen und dicken Bruchsteinen glaubten sie ihr Vereinsvermögen gut angelegt zu haben, für das sie, bei einer zu erwartenden Auflösung ihres Verbandes durch die geheime Staatspolizei, bestenfalls nur eine Quittung erhalten hätten. Der Besitzer des Grundstückes, Roring, stellte die Fläche für die neue Station zur Verfügung und gab auch aus dem Keller seines Hauses die Bruchsteine "zum Aufbau einer imposanten Grotte", wie Pfarrer Austermann schrieb. Den Bauplan fertigte der Architekt Ostendorf an, der auch an den langen Sommerabenden die Bauaufsicht übernahm.
                  
In München schlug in diesen Wochen der aus Raesfeld stammende Bildhauer Josef Meinert ein Relief vom heiligen Martin, dem Schutzpatron der Raesfelder Pfarrkirche.
                  
Pfarrer Austermann rief die Gemeindemitglieder zu Spenden für dieses Bauwerk auf und ließ am Sonntag vor der kirchlichen Einweihung in allen Messen den Klingelbeutel durch die Kirchenbänke reichen. Er rief auch die Schuljugend auf, ihren Beitrag zu leisten, und hoffte, "dass die Kollekte einen guten Erfolg hat und dass außerdem größere Beträge von gutsituierten Leuten zur Verfügung gestellt werden." Als das schwere Steinbild des Heiligen, der hoch zu Ross sitzend für einen Bettler seinen Mantel teilt, aus der bayrischen Hauptstadt in Rhade auf dem Bahnhof eintraf, holten es einige starke Männer mit dem Lastwagen der Weberei Becker von dort ab.                      
                  
In der Rückwand der Station, dem Hof Roring zugewandt, fand eine Steinplastik aus der alten Segensstation vom Osterkamp, die die Aufnahme Mariens in den Himmel zeigt, einen neuen Platz. Zu den letzten Arbeiten vor dem Festtag gehörte auch das Einschlagen der Jahreszahl "1935" in einen der großen Bruchsteine.
St. Martin im Roringshook 1
St. Martin im Roringshook 2
In den sechziger Jahren wurde - bedingt durch die Flurbereinigung - die Station von einer öffentlichen Zufahrt abgeschnitten. Die Umgebung verfiel und verödete, das Bauwerk zerfiel teilweise. 1992 - die Kolpingfamilie feierte ihr 75jähriges Vereinsjubiläum- wurde die inzwischen stark verwitterte Station restauriert und als "zeitgeschichtliches Denkmal" festgeschrieben.
Im Mai 2001 wurde diese ehemalige Fronleichnamsstation nach einer letzten Neugestaltung erneut eingesegnet. Heute ist auf der Rückseite der Station ein Bildrelief "Maria Himmelskönigin" und ein Kreuz zu sehen, welche vom Raesfelder Bildhauer Ferdi Löchteken geschaffen wurden. Der Sockel trägt die Inschrift: „Auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Lk I.48“.
7. Missionskreuz
Standort: Am Turm der Kirche St. Martin (Geodatenatlas)
 
Dieses Kreuz wurde wahrscheinlich nach dem Neubau der Kirche 1860 am Turm befestigt. Es stand auf einem Sockel an dem eine Steinplatte befestigt war, welche die Inschrift "Rette deine Seele" trug. 
Hier wurde damals auch der Sarg mit dem Toten abgestellt und gesegnet, bevor er zur Totenmesse in die Kirche gebracht wurde. Auch wurde das Kreuz zu den alle 10 Jahre stattfindenden Tagen zur Missions- oder Gemeindeerneuerung besonders hervorgehoben. 
Zu einer Missionswoche kamen vom 11. bis zum 19. November 1866 drei Patres von der Kongregation des Allerheiligsten Erlösers nach Raesfeld. Sie nahmen in den sog. "Schnapspredigten" den starken Alkoholverzehr aufs Korn, der in keinem rechten Verhältnis zu der wirtschaftlichen Not im Lande stand. Im Anschluss an diese Mission wurde das "Vierzigstündige Gebet" gestiftet. Von nun an verstummte im Dorf und in den Höken das bisherige Fastnachtstreiben. Nach den Vorstellungen des Pfarrers sollte für diese "dullen Dage" in jedem Sommer ein Schützenfest gefeiert werden.
St. Martin-Missionskreuz an der Kirche
Im Sommer 1867 ruhte am Montag, dem 22. Juli, auf den Feldern und in den Handwerksstuben die Arbeit. Der "Katholische-Dorfer-Männer-Schützen-Verein" feierte sein erstes Schützenfest. Die Glocken riefen die Schützen zum gemeinsamen Gottesdienst und vom Kirchplatz rückten die Schützen und Musikanten, die Offiziere und die Scheibenträger zum Vogelschießen auf der Roringsheide aus. Schützenkönig wurde an diesem Tag der Küster Jakob Spangemacher". (aus: „Rund um den Kirchturm“, Seite 185.) 
Auch heute finden noch Tage der Gemeindeerneuerung  statt. Jedoch werden heute nicht mehr wahre "Höllenpredigten" gehalten. Vielmehr sollen die Menschen sich grundlegenden Glaubensfragen stellen, darüber nachdenken und miteinander ins Gespräch kommen. Die Kirche möchte ihren Gläubigen helfen einen sinnvollen und lohnenswerten Weg durchs Leben zu finden. 
Das Missionskreuz hat längst keinen Sockel mehr, ist durch Krieg und Wandalismus beschädigt worden, aber es hat immer noch seinen Platz am Turm der Kirche Sankt Martin und wird so manchen Vorübergehenden zum Innehalten und Nachdenken auffordern.
Herz Jesu im Büskerhook
8. Herz Jesu Denkmal
 
Standort: Auf dem Hof Wilger, Büskerhook (Geodatenatlas)
 
Zum Gedenken an eine schreckliche Nacht im August 1940 ist diese Statue auf dem Hof Wilger errichtet worden. Die Inschrift ist ein Dankgebet zur Errettung des Hofes. Sie lautet: "Dank dem heiligen Herzen Jesu für die wunderbare Erhaltung des Hofes beim Bombenangriff am 5. August 1940." 

Erinnerungen, dem Heimatkalender entnommen: 
Die warme Sommernacht vom 4. zum 5. August 1940, in der Spreng- und Brandbomben vom Himmel fielen, ist manchem älteren Raesfelder noch in Erinnerung geblieben. Am folgenden Tag berichtete der Wehrmachtsbericht über diesen englischen Nachtangriff in Raesfeld: "Einige britische Flugzeuge flogen in der Nacht in Westdeutschland ein und warfen einige Bomben. Neben geringem Gebäudeschaden wurde ein Bauerngehöft im Kreis Borken in Brand gesetzt. Eine Zivilperson kam ums Leben..."
Die Lagemeldung aus Münster über diesen einzigen nächtlichen Bombenabwurf im Regierungsbezirk Münster lautete: "Raesfeld (Ldkr. Borken) - 15 Spreng- und 40 Brandbomben, 1 Bauernhaus abgebrannt. Flurschaden, eine Person bei nachbarlicher Löschhilfe durch Bombensplitter getötet."
In dieser mondhellen Sommernacht warf zur mitternächtlichen Stunde ein englisches Flugzeug eine Bombenreihe, die vom Dämmerwald über den Tiergarten hinweg bis zum Hof Meyering verlief. Ihre Detonationen schüttelten im Dorf Türen und Fenster. Die örtliche Luftschutzleitung ließ die Sirene zum Fliegeralarm heulen. Es fielen dann noch Brandbomben, die auf den Feldern und Wiesen ohne Schaden anzurichten ausbrannten. Andere fielen auf den Hof Loker-Terhart und setzten ihn in Brand. Ungeachtet der Gefahr liefen die Nachbarn zum brennenden Hof, aus dem Dorf rückte die durch Jugendliche ersetzte Kriegsfeuerwehr mit ihren Gerätschaften und der Motorspritze an. Bei ihrem Einsatz setzte der Bomber zum Angriff an, feuerte mit den Bordkanonen und warf weitere Sprengbomben ab. Auf dem Weg zur Brandstelle verlor Johann Mümken-Kretier durch einen Bombensplitter sein Leben.
Von den abgeworfenen Sprengbomben blieben einige als Blindgänger tief im Erdreich stecken. Da die Fachleute eine mögliche Nachexplosion befürchteten, mussten vier Familien aus dem Büskerhook für acht Tage ihren Hof verlassen. Im Mai des folgenden Jahres wurden die Blindgänger im Erdreich mit großem Aufwand von einem Militärkommando freigelegt und gesprengt. 
Herr Wilger war damals der Ansicht, dass die Bomben - wären sie 2 Sekunden später abgeworfen worden und der Flieger 20 Meter weiter nach Osten geflogen - seinen Hof getroffen und zerstört hätten. Auch glaubte er, dass die Flieger durch die Helligkeit, die die Brände rundum verbreiteten, seine Gebäude durchaus ausmachen konnten. (aus den Erinnerungen von Johann Böckenhoff-Budde).
Madonna mit Kind im Lanzenhagen
9. Muttergottes mit Kind
 
Standort: Lanzenhagen (Geodatenatlas)
 
"Die Muttergottes geht mit, egal wo wir hinziehen!" verkündete Hermann Rensing, als er sich entschloss aus Krechting wegzuziehen. 1992 entschieden sie sich für Raesfeld, erwarben den ehemaligen Hof Lehmbrock-Möllers im Lanzenhagen und mit ihnen kam die Muttergottes auf das Anwesen. An geeigneter Stelle in den Gartenanlagen wurde aus Ibbenbürener Sandstein ein Sockel errichtet und die Statue aufgestellt. Jetzt wurden alle Nachbarn eingeladen und der Bruder, Josef Rensing, Pastor in St. Marien in Gescher, segnete den Bildstock ein. Die neuen Nachbarn stifteten eine Bank, auf der so mancher Ausflügler schon eine kleine Auszeit bei der "Madonna Rensing" genossen hat.

An alter Stätte wurde die Statue erstmals 1878 aufgestellt, nachdem der einzige Sohn des Hauses früh an Tuberkulose starb. Der Bildstock trug damals die Inschrift: "O, ihr alle, die ihr in den Himmel zu kommen begehrt, dienet und ehret Maria und ihr werdet sicher das ewige Leben erlangen".
10. Kleines Kreuz
 
Standort: Lokerweg (Geodatenatlas)

Dieser Stein steht am Lokerweg, an einem kleinen Bach, der Hasebecke, welcher nach Westen zu der bekannten Erdbrügge führt. Dort in der Nähe wohnte vor 150 Jahren die Familie Hasbeck. Die Höfe Wilting, Loker und Mümken liegen ganz in der Nähe. (s. a. Bildstock Nr. 8, der an die Bombennacht vom 5. August 1940 erinnert).

1980 stellten der Heimatverein und der Besitzer der Weidefläche, Paul Wilger, den Stein auf. Vier wunderschöne alte Eichen nehmen den Stein mit dem kleinen Kreuz behutsam in ihre Mitte. Er soll daran erinnern, dass es nie wieder Krieg geben darf.
kleines Kreuz am Lokerweg
Kreuz am Hof Kemming-Terhart
11. Hofkreuz
 
Standort: Hof Kemming-Terhart an der Borkener Straße (Geodatenatlas)
 
Die Familie erinnert sich:
"Dieses Hofkreuz errichtete Johann Terhart Anfang der fünfziger Jahre. Anlass war der tödliche Unfall seines Bruders Josef am 16. Januar 1942. Beim Aufladen des Strohs nach dem Dreschen war Josef auf dem Wagen mit dem Packen des Strohs beschäftigt. Das vor den Wagen gespannte Pferd scheute wegen eines Tieffliegers und lief ein paar Schritte weiter, Josef stürzte auf den hart gefrorenen Boden und starb zwei Stunden später an seinen schweren Kopfverletzungen.
Das Kreuz ließ Johann aus alten Eichenbalken des Spiekers herstellen. Sein ehemaliger Schulkamerad, der Schreiner Josef Hetkamp, genannt Schepers, wurde damit beauftragt. Der Korpus des Kreuzes, in Kevelaer geschnitzt, wurde von Josef Nagel, der zu der Zeit bei uns wohnte und arbeitete, abgeholt. Er fuhr mit Fahrrad und Rucksack nach Kevelaer und holte den fertigen Korpus ab. In der neu gepflanzten Buchenhecke Nießings "Nejedinge" bekam das Kreuz nahe der Unfallstelle seinen Platz.
Etliche Jahre später wurde ein kleines Dach zum Schutz vor Regen und Schnee über dem Kreuz angebracht."
12. Hagelkreuz
 
Standort: Osterkamp (Geodatenatlas)
 
In einer alten Urkunde der Clevisch-Xantischen Höfe in Raesfeld wird 1777 vom Hof Schwane ein Grundstück mit dem Namen "Am Hagelkreuz" erwähnt. Es lag wohl in der Nähe des Osterkamps. 
Das älteste bekannte Kreuz hat noch etwas südlicher in der Nähe der Dorstener Straße gestanden. Es hatte einen großen Steinsockel mit der kurzen Inschrift: "Herr, erbarme dich unser." Die Rückseite des Kreuzsockels barg eine Plastik von der Himmelfahrt Mariens. Als dieses Kreuz verwittert war, wurde es abgebrochen und man erstellte ein neues Kreuz an der Weggabelung bei Brunsbach am Osterkamp. Das Sockelbild wurde dann nicht mehr verwandt und fand seine neue Bleibe auf dem Pfarrhof bis dann 1935 die Martinsstation bei Roring erbaut und dieses Bild auf der Rückseite eingemauert wurde. 
1941 zerstörte ein starker Sturm das Kreuz am Osterkamp. Ein neues Holzkreuz wurde gefertigt mit dem Korpus des alten Kreuzes. 1977 wurde von der Nachbarschaft Brökerstegge, Dorstener Straße, Dückerstraße, Op de Breede, Ostring und Zum Osterkamp ein neues Kreuz gestiftet, das der Raesfelder Bildhauer und Steinmetz Ferdi Löchteken erstellte. Es wurde am 8. Juni 1977 feierlich eingeweiht.
Hagelkreuz am Osterkamp
Christkönig an der Marbecker Str.
13. Christkönigsstatue
 
Standort: Marbecker Straße (Geodatenatlas)
 
Diese Statue ist 1964 nach Raesfeld gekommen. Früher stand sie im Park des Hauses Pröbsting. Die damals dort tätigen "Barmherzigen Brüder von Montabaur“ hatten sie in den 1930er Jahren in Auftrag gegeben. Landwirt Paul Kordt erwarb, nachdem die Nazis die Ordensleute vertrieben hatten, nach dem Krieg die unbeschadete Figur, ließ sie aber noch einige Jahre am Haus Pröbsting stehen.
1963 zogen der Sohn Karl Kordt und dessen Ehefrau Ida von Hoxfeld nach Raesfeld in ihr neu gebautes Haus an der Marbecker Straße. Ein Jahr später holten sie die Christkönigsstatue nach, die für Karl Kordt bis zu seinem Tod im Jahre 1983 ein täglicher Anziehungspunkt war.
Nachbarn halfen damals die schwere, aber prächtige Figur nach Raesfeld zu transportieren. Der Maurer Heisterklaus baute den Sockel. Die Inschrift darauf lautet: „Gott allein ist alle Gewalt gegeben, im Himmel und auf Erden“.
Emmaus am Horter Weg 1
Emmaus am Horter Weg 2
14. Emmaus Wegestation
 
Standort: Südholt, Horter Weg (Geodatenatlas)
 
Die 3,50 m hohe Eichenholzkonstruktion auf einer Betonplatte wurde vom Zimmerer- und Tischlermeister Hans-Josef Südholt 1999 entworfen und gebaut. Die Verkleidung ist aus Trespa-Hochdruck–Schichtpressstoffplatten (HPL), eine Mischung von bis zu 70 % Fasern auf Holzbasis mit thermohärtenden Harzen. Für den Innenraum verwendete er Lärchenholz, das mit Zementputz gestrichen wurde. Die Unterkonstruktion ist aus Maschendraht. 
Der Holzschnitzer Joseph Grasedieck vom Brink in Raesfeld schnitzte die 1,20 m hohen Figuren aus Lindenholz. 
Eingeweiht wurde die Station am 1. April 2002 von Pfarrer Johannes Arntz mit über 100 Gästen.
Heiliger Josef an der Weseler Str.
15. Giebelfigur "Heiliger Josef"
 
Standort: In der Villa Becker, Weseler Straße  (Geodatenatlas)
 
Lange Zeit stand der hl. Josef als Schutzpatron für Handwerker im Giebel des früheren "Lerner Hauses" an der Weseler Straße, bis dieses 1983 zum Jugendheim umgebaut wurde. 
Die Skulptur stammt aus dem Jahre 1892 und wurde aus Eichenholz gearbeitet. Im März 1997 stellte die Gemeinde Raesfeld sie unter Denkmalschutz, womit sich auch die Möglichkeit eines Restaurierungskonzeptes ergab. Im Oktober 1998 wurde der hl. Josef fachmännisch  restauriert und in der Villa Becker aufgestellt. 
Die Villa Becker wurde als geeigneter Standort gesehen, da die Figur hier öffentlich zugänglich ist und die ehemaligen Besitzer der Villa zudem auch aus dem "Lerner Haus" stammen, somit eine familiäre Beziehung zu der Skulptur besteht.
Heiliger Josef an der Weseler Str. _ Giebel
Heiliger Josef an der Weseler Str. - Text
16. Hofkreuz Bölker
 
Standort: Heidener Straße (Geodatenatlas)
 
Dieses Hofkreuz neueren Datums machte sich das Ehepaar Engelbert und Maria Bölker im Jahre 1999 anlässlich ihres 40-jährigen Ehejubiläums zum Geschenk. Es ist drei Meter hoch und aus französischem Sandstein. In das Kreuz haben die Bildhauer Ferdi und dessen Sohn Guido Löchteken eine Christusdarstellung als Bronzerelief eingearbeitet.

„Wir haben das Hofkreuz so gestellt, dass jeder, der unseren Hof oder die Heidener Straße befährt. seinen Blick auf den Bildstock richtet", so Engelbert Bölker.
Hofkreuz Bölker an der Heidener Str.
Wegekreuz an der Hagenwiese
17. Wegekreuz Bonhoff     
 
Standort: Ecke Hagenwiese / Südring (Geodatenatlas)
 
Der Raesfelder Bildhauer und Steinmetz Guido Löchteken erarbeitete dieses 3,20 m hohe Wegekreuz aus französischem Kalkstein (Massangis Jaune). Es trägt einen Bronzekorpus und steht auf einem Postament. Eingemeißelt sind die Worte "DEO GRATIAS".

"Damit ist alles gesagt", erklärten die Eheleute Hermann und Auguste Bonhoff, die das Wegekreuz anlässlich ihrer Goldhochzeit im Jahre 2008 in Auftrag gaben.
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